Biologe unter der Lupe

HÖCHSTADT – Vor 190 Jahren verstarb Johann Baptist Ritter von Spix. Anlass für den nach ihm benannten Förderverein, einen Gedenkabend in der Höchstadter Fortuna Kulturfabrik zu gestalten. Prof. Winfried Kreutzer würdigte das wissenschaftliche Vermächtnis. Tierfotograf Konrad Wothe gewährte seltene Einblicke in den Mikro-Kosmos Regenwald.

„Warum, kann eigentlich niemand so genau sagen“, erklärte Herbert Fiederling – seit Sommer Vorsitzender der Höchstadter Spix-Freunde. „Aber obwohl er zu Lebzeiten hoch geachtet war, geriet Spix zwischenzeitlich völlig in Vergessenheit“. Kein haltbarer Zustand für Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm – immerhin gilt der Gründer der Zoologischen Staatssammlung München als bedeutendster Sohn der Stadt. „Deshalb bin ich froh, dass es Menschen gibt die sich ehrenamtlich um das Andenken kümmern“.

Bislang lag der Fokus der Vereinsarbeit auf heimatkundlichen Aspekten. Deshalb nahm der Würzburger Spix-Kenner Prof. Winfried Kreutzer den 190. Todestag zum Anlass, über die philosophische Facette des aischgründer Forschers zu berichten. „Spix war beseelt von den Gedanken Friedrich Schellings. Von einer Naturphilosphie in der Sein und Bewusstsein, Materie, Geist und Seele eine eigenständige Identität besitzen“. Für Schelling war dies der Durchbruch, schuf er so die Grundlage der modernen Psychiatrie. Bei Spix, damals noch Theologe, sorgte die Arbeit hingegen für einen Karriereknick. Er wurde vom erzbischöflichen Ordinariat ausgeschlossen. „Darin könnte die Motivation für sein akribisches Arbeiten gelegen haben – das bis heute den Standard zur Beschreibung von Tierarten vorgibt“.

    Die schier unerschöpfliche Artenvielfalt der Regenwälder lockte Spix schließlich in den brasilianischen Regenwald. „Auch heute findet sich noch die Hälfte aller Tierarten in Tropenwäldern“, erklärte Konrad Wothe. „Viele von ihnen kennen wir noch nicht – und werden sie auch nie kennenlernen“, bedauerte der Profi-Fotograf. „Denn alle 30 Minuten wird die Fläche eines Fußballfeldes gerodet. Mit den Bäumen verschwinden auch Tiere für immer“. Dank moderner Präzessions-Optik konnte Wothe seinem Publikum in der Höchstadter Kulturfabrik allerdings seltene Lebewesen aus nächster Nähe präsentieren. Etwa einen Flughund aus Madagaskar, eine Gimpansen-Kolonie oder zauberhafte Kolibries. Für märchenhafte Stimmung sorgten zudem großflächige Lichtbilder mit nebelverhangenen Farnfeldern – und Regina Dukart am Steinway-Flügel. Sie präsentierte unter anderem die „Nocturne cis-moll“ von Spix‘ Zeitgenossen Chopin und sorgte so für die perfekte Abrundung eines facettenreichen Abends im Zeichen der Biologie.

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